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Fr 28.11.25, 19:00, RadioCafe,
Argentinierstraße 30A, 1040 Wien
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Luci Trio @ Likörstube Sveceny
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‚Verhält sich zum Wienerlied wie die Band Kreisky zum Deutschrock: Die Bestandteile sind dieselben, das Ergebnis fährt dem Genre aber lustvoll mit dem Hintern ins Gesicht.‘ (Sebastian Fasthuber, Der Falter)
Das LUCI TRIO erfindet sich mit einem Crossover von Wienerlied und Lo-fi-Pop mit ein paar Tupfern Blues, Alt-Folk- und Jazzbruchstücken und goschert poetischen Texten sein ganz eigenes Genre. File under: Transzendentes Wiener Lied.
Eckpunkte? Triggerwarnungen? Nun, die Programme des LUCI TRIO beginnen – so wie auch ihr anstehendes Album ROTE SPRITZER (VÖ Q1 2025) – gerne ‘irgendwo in den Flächenbezirken’ mit einer Überdosis und enden meist in einem Wirtshaus im Wienerwald zwischen Mördern und Irren. Dazwischen inszeniert das LUCI TRIO eine Tragikomödie in zwei, drei Handvoll Szenen, die ihren Sound, die Reimlust, ihren Figurenreichtum, die pittoresken Schauplätze, die melancholischen und skurrilen Miniaturopernplots nicht bloß einer ins Kraut schießenden Phantasie und Musikalität verdankt, sondern insbesondere auch der Beobachtung dessen, was man in der Wiener Vorstadt zwischen Lugner-City, Kagran und dem Stadtrand des Unbewussten immer schon sehen und hören kann.
Schon ein kleines Inventar gibt eine Idee davon, was da auf das Publikum an Drama und Farce zukommt: Helene Fischer, Yung Hurn, ihr gemeinsamer Nachwuchs und der Deniz, der Bub vom Halalfleischhändler, die sich zwischen Hornbach, Interspar und Fressnapffiliale gemeinsam mit all den anderen ‘Bitches und Brüdern’ durchs Leben und Ableben schlagen; Karin, Karim und ihre Tochter Carmen, die an der ‘Ecke Falcogassen und Dradiwaberlgassen’ über ein Heimatlied für den Rennbahnweg sinnieren (‘Freilich, manchmal rennt man weg, aber …’); die Oma Dragica und der Opa Joe in einer der rührendsten Episoden, dystopisch zwischen zirka 2027 und 2087 angesiedelt, ausgerechnet beim Billa Plus in der Lugner-City; von Doderer und einem amerikanischen Idiom ausgeborgte dicke Damen in der Konditorei in einer Memento-Mori-Szenerie in der Tradition von Abraham a Santa Clara, in der nebst den Schneeräumern der MA48 auch die Hausmeisterin Božena eine emblematische Rolle spielt; Paul Celan und seine nach Wien verpflanzten Czernowitzer Kastanien; ‘a Gummibam im Gemeindebau in der Wattgassen im Parterre’, dem gescheit zu gendern mindestens so wichtig ist wie sein Substral, denn, ‘was sein muss, das muss sein’; Widerstandskämpfer Leo Mistinger trifft auf Slavoj Žižek und ein paar Trankler im Café Pub Meislmarkt; die Nesrin, die Rosl und die Rotraut stehen unterm roten Mond auf einem roten Platz in einer roten Stadt, ‘die sich ihr rotes Herz noch nicht herausgerissen hat’ – Karl Seitz schau oba; zahnlose Karikaturisten, Idioten und Poeten, Strizzis und Bsuff, Andreas Gabalier und andere ‘abgenutzte Seelen’ irrlichtern durch die schlechter ausgeleuchteten Gegenden; man fährt Hochschaubahn, schlägt sich die Schädel ein, chillt vorm Fitinn, zappt sich durch alle Kanäle, trinkt die für das kommende Album eponymen roten Spritzer, Ayran, Inländerrum und Jägermeister, zimmert ‘ein Reihenhaus aus Raum und Zeit und Sein’; die Vögel fallen aus allen Wolken und der Schnee; Pitbulls und Bobtails und Pudel, Affen, Schweine, Libellen, Amseln ziehen durch; Jacques Lacan schaut vorbei, Billie Holiday, Beyoncé und George Bizet; zwischendurch fährt man mit der Bahn nach Oberösterreich, wo die Nazis mit ihrer Oma leben (‘Hier zu wohnen, muss ein Fluch sein. / Next Stop: Attnang-Puchheim’), aber halt auch, jenseits von Wels, dieser tief türkise See ist, ‘Mah, so schee!’; und am Schluss sitzt die Ingeborg Bachmann mit dem Teufel im Wirtshausneonlicht ‘am Rand des Unbewussten’, und ‘aus einem Fenster schreit wer: Gusch Bitch, gehst du Psychiatrie!’ … Sie sind im Bild?
Musikalisch grundiert und gefirnisst wird dieses Stadtbild aus Träumen, Traumen, Exzess, Liebe, Vergeblichkeit, Rohypnol und zart keimender Lebensfreude, wie schon beim Vorgängerprojekt, dem Duo Musser & Schwamberger, von einer kleinen Besetzung, hier nun dem Trio aus dem Kontrabass von Gregor Aufmesser, mal akustischer, mal elektrischer Gitarre (Bernd Satzinger) und Karl Schwambergers Klarinette und vom Leben in RH5H etwas angekratzter Engerlstimme, unter das sich auf Aufnahmen dann noch manchmal mehr, manchmal weniger eklektisches Zeug mischt: Verkehrt laufende Gitarren trudeln vorbei wie Kastanienblatteln im Herbstwind, zarte Bläsernebel ziehen durch und watteweiche Mellotron- und Optiganwolkerln. Rostige Synthesizer, wackelige Pianos und eine ausgeleierte Orgel fügen sich ebenso unerwartet fugenlos ins Soundbild wie Elektronikflusen, die wie der Lurch in einem abgewohnten Gemeindebauzimmer in den Ecken und Ritzen hausen, gemeinsam mit ein paar feinsinnig leisen Feedbacks, dezent besoffen wackelnden Echos und Delays, ein paar Hallfahnen, die noch vom letzten Maiaufmarsch herumliegen, und der alten Bassdrum unterm Divan. Im Hof drunten tarockieren derweil die Gespenster von Vic Chesnutt, Sparklehorse, Mingus und Schönberg, und Tom Waits und sein Haberer Marc Ribot wutzeln sich ein Jazzzigaretterl und kiebitzen.
Alles in allem, live wie dann bald auch auf Platte, lauter kleine Operetten, provokant und sentimental, melancholisch und bissig gewitzt zugleich, inszeniert auf der Basis von Wienerlied und Lo-fi-Pop, ein bisserl Blues, Alt-Folk, Elektronikgebratzel und sogar, ui, ui, ui, ein paar Spritzern Jazz, mit Slacker-Attitude hingerotzt einerseits und mit Liebe noch zum kleinsten Detail arrangiert und dargeboten andererseits.
LUCI TRIO sind
Bass: Gregor Aufmesser
Gitarren: Bernd Satzinger
Stimme, Klarinette, Electronics etc, Arrangements, Musik & Texte: Karl Schwamberger
≡ KONTAKT & BOOKING
lucitrioluci@gmail.com – Facebook
Peter Nachtnebel mulelord@mulelord.com
≡ FOTOS © Tobias Faulhammer 4 Motive in unterschiedlichen Formaten + SW

































